Event
Liebe Kinofreunde
Der Eröffnungsfilm der Filmkunstmesse Leipzig, Wild Horse Nine, bot mit wahrlich hervorragenden Darstellern einen schmerzhaft pessimistischen Blick auf die Welt und vermochte dennoch, mit jedem weiteren Kopfschuss und jeder weiteren Leiche, anhaltendes und mitunter befremdliches Gelächter beim Publikum auszulösen. Das ist eine Kunst, über die man ganz trefflich diskutieren kann. Aller bedrohlich wirkenden Szenarien zum Trotz aber bedeutete eine Woche Filmkunst in dieser sehr schönen Stadt einen feinen Motivationsschub für die Kinoarbeit mit den ihr innewohnenden Anliegen in Sachen Menschlichkeit und Demokratie.
Einen ganz wunderbar klugen Humor bietet der für unsere traditionelle Kino Vino-Veranstaltung ausgewählte Film Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes und Amir. Die musikalische Einstimmung übernehmen die Rosevalley Sisters, auf kulinarischer Ebene bereichert durch die alkoholischen und alkoholfreien Schätze des Weingutes Hahnmühle sowie herzhafte Teilchen und ein kleines Dessert.
Das Netzwerk Demenz ist mit der unbedingt empfehlenswerten Literaturverfilmung Mittagsstunde zu Gast im UNION – Studio für Filmkunst und lädt ein zu Film und, bei Bedarf, anschließendem Gespräch.
Ebenfalls wieder eingeladen ist das Publikum von der Atlantischen Akademie, deren Veranstaltungsreihe mit dem Film We All Bleed Red und Regisseurin Josephine Links ihre Fortsetzung findet.
Begleitend zur Ausstellung „Golden Girls No. 3: Eileen Gray“ im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern stellt Regisseurin und Bühnenbildnerin Anna Viebrock ihren Film Das Mansion am Südpol (Eine Immobilie) vor.
Sollte am Ende aller selbstbestimmten Tage keine Menschenseele sich kümmern wollen oder sollen um den eigenen maroden Körper und/oder Geist, so scheint mir der Gedanke an einen aparten kleinen Roboter durchaus sympathisch. Unsere Frauen-Sinn(ema)-Gäste dürfen aus sicherer Entfernung verfolgen, wie das Experiment bei Frau Winkler ausgeht und ob Nachahmung empfehlenswert ist.
Gerne hätten wir ihn einmal mehr zu Gast gehabt, den Regisseur Volker Schlöndorff, doch ist er von Seiten des Verleihs für bedeutendere Zwecke verplant und steht leider nicht zur Verfügung. Sein neuester Film aber, die Adaption des Romans von Jenny Erpenbeck, tut es und so möge das Publikum sich ein Bild machen bzw. die Bilder genießen von Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte.
Ob es der Reue bedarf bei Teilnehmerinnen wie ZuschauerInnen anlässlich der Rückschau auf eine ganze Reihe von Fernsehsendungen früherer Jahre? Hätte frau öfter „Nein!“ sagen, aufschreien, ausschalten sollen? Das mag ein jeder Kaffee-Kuchen-Kino-Gast für sich selbst entscheiden nach dem Genuss des erstaunlichen Dokumentarfilmes Was haben wir gelacht.
Ganz reuelosen Filmgenuss in unseren beiden Kinos wünscht
Ursula Simgen-Buch

