Das Wort zum Freitag (35) vom 8. April 2021

Verordnungen kommen und gehen, was unglaublich anstrengend ist, angesichts nie dagewesener Entwicklungen jedoch in der Natur der Sache liegt. Das Kino also noch immer leer und stumm, doch dass die Kunst auf andere Weise dennoch bleibt, dafür haben eine große Menge Kunstschaffender gesorgt und tun es noch immer. So ist die von Thomas Brenner in Kaiserslautern initiierte Aktion „Kunst bleibt.“ eingeladen, ihr Weiterleben auch in Landau zu verwurzeln. Wir freuen uns sehr, daselbst mit einem Kaltmamsell-Plakat präsent sein zu dürfen.

In der Bad Kreuznacher Zeitung „Oeffentlicher Anzeiger“ erschien zum Gründonnerstag eine Mundart-Kolumne zu unserer CD „Die Kaltmamsell & der Koch“. Gerhard Engbarth (Geschichtenerzähler, Musiker, Kabarettist): „Die CD hott mich stärker bewegt unn ergriffe als jeder Film, denn im Film sehn mir Schauspieler agiere, höre se Worte redde, die e Autor sich ausgedacht unn seine Figure in de Mund gelet hott, awwer Briefe, die zwä Liebende einanner schreibe, sinn als Original-Dokumente mit Fottos vergleichbar, Momentuffnahme von zwä Mensche, die (…) selber zu sehn sinn in ihre Hoffnunge, ihrer Sehnsucht, in ihre Ängschte unn ihrer Verlorenheit innem grausame, sinnlose Krieg, angezettelt von perverse Idjote unn größewahnsinniche Schwerverbrecher, die Milljone junger Mensche um ihr Jugend unn ihr Lebe betroge honn. (…) Die CD von de Kaltmamsell unn em Koch setzt ene allegar e Denkmal unn is zugleich e Warnung vor braunem Gedankegut, das rechtslastiche Politiker heut widder ins Maul nemme.“

Im UNION – Studio für Filmkunst gestaltete die Sprecherin der CD, Uta Eckhardt, einst einen Theaterabend mit Texten, Musik und Biographischem zum Thema Ingeborg Bachmann und also auch Paul Celan, der den Verlust seiner Eltern durch den Nazi-Terror nie hatte verwinden können. Sein Leben lang pflegte er das Erinnern. Mit dem Gedicht „Corona“, das Bachmann als sein schönstes bezeichnete, flocht er einen lyrischen Liebes- wie auch Totenkranz, dessen letzte Verse einer Fermate gleich die Zeit ganz nach individuellem Bedürfnis außer Kraft zu setzen und eigenartigerweise sogar einen Bogen in die heutige Zeit zu schlagen scheinen.
Ursula Simgen-Buch

CORONA (Paul Celan)
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.
Es ist Zeit.