Das Wort zum Freitag (17)

Liebe Kinofreunde!

Die monatliche Videokonferenz mit unseren rheinland-pfälzischen ProgrammkinokollegInnen vermochte es kaum zu verhehlen: Uns allen fehlt die Hoffnung, unser Publikum alsbald wieder in unseren Kinos willkommen heißen zu dürfen. Diskussionen über mangelnde Sinnhaftigkeit und den malträtierten Begriff „Systemrelevanz“ schließen sich nahtlos an. Überflüssig zu erwähnen, dass das Ansteckungsrisiko mit dem Griff an den Einkaufswagen der Supermärkte bestimmt größer ist als im Theater, Museum, Konzertsaal – oder eben Kino. Doch das Meckern von der heimischen Couch bringt nicht weiter. Wollen wir also unsere Energie anderweitig investieren und die unfreiwillig gewonnene freie Zeit auf möglichst vielfältige Weise nutzen. Es wird, so hört man, wieder mehr eigenes Brot gebacken (an dieser Stelle ein dezenter Hinweis auf den spätestens 2021 zu sehenden Dokumentarfilm „Brot“), gekocht und gelesen. Die Kombination Literatur und Küche führt zu dem dieser Tage vielfach besprochenen und gepriesenen Buch: „Das Buch Alice – Wie die Nazis das Kochbuch meiner Großmutter raubten“. Rezepte sind in diesem Werk der Historikerin Karina Urbach keine zu finden, wohl aber unglaubliche Informationen über die jüdisch-österreichische Großmutter der Autorin, die 1935 mit ihrem Kochbuch in Wien reüssierte, bevor ihr Name als Verfasserin 1938 vom Reinhardt Verlag kurzerhand getilgt und durch einen – vermutlich fiktiven – ganz und gar arischen Männernamen ersetzt wurde. Während Alice, ins Exil vertrieben, eine neue Existenz sich aufzubauen gezwungen war, wurde ihr Kochbuch weiterhin mit Erfolg verkauft. Solche Verhaltensweisen eines Verlags sind zu jeder Zeit unentschuldbar. Diesen fatalen Schritt aber bis dato noch immer nicht korrigiert zu haben, ist geradezu unfassbar. Möge sich ein Regisseur finden, der aus diesem Stoff einen Film zu machen bereit ist. Ihn zu zeigen wäre eine weitere von mehreren Möglichkeiten, die Wahrheit auf Leinwand zu bannen und den Verantwortlichen im Verlagshaus die erforderliche Menge an negativer Presse zu bescheren.

Neben den im Teehaus Rai (Steinstraße 23, Kaiserslautern) und in der Postfiliale Alsenborn zu erstehenden Gutscheinen und Zehnerkarten für unsere Kinos ist auch oben genanntes Buch als Weihnachtsgeschenk sehr zu empfehlen. Erhältlich ist es u.a. im Weltladen Kaiserslautern.

Ursula Simgen-Buch